Ich krieg die Krise…..

Therapie Bausenwein

Krisen sind ein produktiver Zustand, wenn man ihnen den Beigeschmack der Katastrophe nimmt.

-Max Frisch

Was für ein provokativer, vielleicht für manche auch absurder Spruch. Was soll an einer Krise produktiv sein?

Seit Beginn der Menschheit haben wir Erfahrungen mit Krisen machen müssen. Erika Schuchardt (Bildungsforscherin) unterscheidet Lebenslauf- und Lebensbruchkrisen. Lebenslaufkrisen sind eher vorhersehbare Krisen in der Biographie eines jeden Einzelnen, wie z.B. Schulbeginn, Pubertät, Lebensmitte, Ruhestand…

Lebensbruchkrisen können sowohl nur den Einzelnen, als auch das Kollektiv betreffen und sind eher unvorhersehbar, wie z.B. Trennung, Arbeitslosigkeit, Unfall, schwere Krankheit oder auch Naturkatastrophen, Epidemien…

Krisen werden individuell unterschiedlich wahrgenommen und empfunden. Was für den einen bereits als Krise empfunden wird, ist für den Anderen nicht weiter tragisch und umgekehrt. Aber jeder, der sich in einer Krise befindet, empfindet den Zustand zunächst als belastend und schwer. Es gibt allerdings Menschen, die scheinen besser mit Krisen zurechtzukommen. Diese Menschen scheinen widerstandsfähiger zu sein. In der Fachsprache spricht man hier von Resilienz, der seelischen Widerstandskraft. Einen Teil dieser Widerstandskraft macht der Faktor Glück, Zufriedensein aus, wie auch ein Ergebnis aus der Forschung von Schuchardt zur Verarbeitung von Krisen bestätigt.

Eine Krise ist zunächst eine Tatsache, die sich nicht wegdiskutieren lässt und diese Tatsache, also das Ereignis als solches, lässt sich erst einmal nicht verändern. Wohl aber die Betrachtungsweise und der Umgang damit. Eine Krise wird als bedrohlich, gefährlich, angsteinflößend, verunsichernd wahrgenommen. Im Chinesischen besteht das Zeichen für Krise aus zwei Zeichen: Gefahr und Chance. Beides liegt in einer Krise.

Aus psychologischer, therapeutischer Sicht erscheint es sinnvoll, den Fokus auf die in der Krise liegende Chance zu lenken, um wie im vorangegangenen Zitat von Max Frisch, den möglichen produktiven Zustand sehen zu können.

Vielleicht mag dieser Gedanke zunächst etwas befremdlich wirken, aber: Glück und Zufriedensein ist erlernbar und lehrbar und ein wesentlicher Aspekt bei der Verarbeitung von Krisen.

In meiner Praxis stelle ich Klienten z.B.  Fragen wie: Gesetzt den Fall, es gäbe einen Vorteil in der Krise, was wäre das? Was können Sie sich durch die Krise erlauben, was sonst nicht möglich wäre? Was könnte die Sache schwerer, was leichter machen? Sind Sie dadurch passiver oder aktiver?  Was wäre, wenn Sie z.B. Chef wären, wäre die Krise ähnlich oder anders? Angenommen, wir würden uns in 2 Jahren treffen, was wäre aus Ihnen geworden? Wofür war die Krise wichtig? Wo sehen Sie Ihre Stärken, die Ihnen aus der Krise helfen? Wie haben Sie früher schwere Zeiten bewältigt?….

Fragen wie diese ermöglichen eine andere Sichtweise und erweitern die Möglichkeiten. Es ist nachweislich so, dass es bereits zu einer Veränderung kommt, wenn der Fokus auf die Chancen und Möglichkeiten gelenkt wird und das Schwere anerkannt wird. Eine Veränderung in der Denkweise verändert den Umgang. Wenn ich sehe, dass es Möglichkeiten gibt, komme ich wieder leichter ins Handeln und fühle mich nicht mehr ausgeliefert und gelähmt. Die Tatsache als solche lässt sich zunächst nicht verändern, wohl aber meine eigene Betrachtungsweise und mein Umgang damit.

Eine kleine Übung ist auch die LICHTPUNKTMETHODE. Ich frage Klienten z.B. was ist trotz der Krise ein kleiner Lichtpunkt? Lichtpunkte sammeln lenkt den Fokus auf positive Dinge, Dinge, die trotz dem Schweren, Gefährlichen, Bedrohlichen gut laufen oder gut sind.

In jedem Leben gibt es und wird es immer wieder schwere Zeiten geben, die entweder im Leben dazugehören können, wie z.B. die Pubertät oder auch ganz unvorhergesehen im Leben geschehen können, wie z.B. Krankheiten, Trennung usw.

Der entscheidende Unterschied ist der Umgang in der Bewältigung. Und manchmal braucht es vielleicht auch Unterstützung und Hilfe von Außen, um aus einer Krise zu kommen oder einen neuen Umgang in der Verarbeitung von Krisen zu lernen.

Ich wünsche Ihnen Mut und Zuversicht für all die Krisen, die zugleich auch neue Möglichkeiten und Chancen bieten können.